Schwieriger Wettkampf reicht für kleines Saisonziel

Spicher Turner sichern sich Platz Fünf in der Oberliga

Am Samstag, dem 29.04. waren die Spicher Turner zum Finale der Rheinischen Oberliga nach Essen angereist. In der Vorrunde hatten wir zwei Niederlagen gegen die schlussendlich erst- und zweitplatzierten Teams aus den Leistungsstützpunkten der KTV Ruhr-West und des Kunstturnteams Oberhausen hinnehmen müssen und in Anführungszeichen „nur“ einen Sieg gegen das später als Neunter aus der Saison hervorgegangene Gladbacher Turnteam einfahren können. Aufgrund dieser Ergebnisse war im Finale nur noch maximal der fünfte Platz zu erreichen. Diese Position, welche im Vergleich zur Saison 2016 eine Steigerung von zwei Plätzen bedeutet (!), konnte sich die Spicher Mannschaft auch im Verlauf des Wettkampfes sichern.

Etwas ungewohnt aber aufgrund der Anzahl der angetretenen Mannschaften unvermeidlich, starteten die Spicher Turner an den Ringen. Mit dem Ausfall von Mannschaftskapitän Sascha Jacobs und verletzungsbedingten Schwierigkeiten bei Robert Gerber, sowie weiteren leichten „Nervositätsfehlern“ bei den Routiniers Dima Lavrinenco und Corbin Plischke mussten hier zwar bereits erste Abstriche zu den vorherigen Wettkämpfen hingenommen werden, im direkten Vergleich zur Konkurrenz um Platz Fünf konnte man das Gerät aber dennoch gewinnen.
Am Sprung machte sich dann das Fehlen des besten Springers Robert Gerber zwar bemerkbar, was die Mannschaft aber mit einem soliden Überschlag mit ganzer Drehung von Daniel Töws und zwei guten Tsukahara gebückt von Ronald Gerber und Ilja Töws gut kompensierte. Ilja hatte den Tsukahara erst eine Woche zuvor im Trainingslager zur Wettkampfreife gebracht und schien aufgrund des sehr guten ersten Sprungs so euphorisiert, dass Versuch Zwei prompt mit einer kleinen Platzwunde am Hinterkopf von der Unterkante des Sprungtisches her endete. Nach kurzer Behandlung konnte er den Wettkampf fortsetzen. Auch am Sprung holte Spich die meisten Punkte im kleinen Finale.
Ausgesprochen solide zeigte sich die Mannschaft am Barren. Vier starke Übungen kompensierten den Ausfall von Sascha Jacobs (der im bisherigen Verlauf der Saison fast immer die Höchstwertung an diesem Gerät beigesteuert hatte), komplett. Hervorzuheben sind hier Kevin Pfeiffer, der einen in Turnerkreisen gradezu verschwindend geringen Abzug von nur 0,4 Punkten erhielt und Robert Gerber, der trotz gebrochenem Zeh seinen Abgang sicher in den Stand brachte.
Vom Hoch zum Tief. Für ein Wechselbad der Gefühle sorgte dann das nächste Gerät, das Reck. Nach dem starken Barren (der auch wieder im Vergleich zur Konkurrenz gewonnen werden konnte) folgte hier das schlechteste Ergebnis der letzten Jahre an diesem Gerät. Bedingt wurde dies einerseits durch teils schwer nachvollziehbar hohe Abzüge, teils dadurch, dass Ronald Gerber nachdem er erstmals im Wettkampf sein Überkehren präsentieren konnte mit gleich zwei stark blutenden offenen Händen seine Übung abbrechen musste. Einzig Dima Lavrinenco konnte hier mit einer in Relation wieder sehr hart bewerteten Übung die Zehn-Punkte Marke knacken. Das Reck stellt zusammen mit dem Pauschenpferd (folgt) sicherlich die größte Baustelle der nächsten Jahre dar.
Ein kleiner Trost: Der Konkurrenz erging es am „Königsgerät“ auch nicht besser. So konnte zur allgemeinen Überraschung auch das Reck im kleinen Finale gewonnen werden.
Mit dem Boden folgte jetzt das deutlich stärkste Gerät der Spicher Mannschaft. Neuzugang Nils Offer turnte seine Übung erstmals ohne Stutz durch und sicherte sich hier die Höchstwertung mit 14,15 Punkten. Nur knapp dahinter landete Ronald Gerber, der wiederum zum ersten mal in einem Wettkampf den im Trainingslager gelernten Doppelsalto rückwärts präsentierte. Abgerundet wurde das Ergebnis durch eine saubere Übung von Emre Tasdemir. Spich konnte im Mannschaftsergebnis hier wieder die 40 Punkte-Marke knacken und gewann auch das fünfte Gerät somit trotz Ausfall von Robert Gerber sicher vor der Konkurrenz.
Nach dem erneuten Hoch zum Abschluss wieder ein Tief. Das Pauschenpferd war an diesem Tag scheinbar verflucht. Im gesamten Wettkampf kamen laut Aussage des Oberkampfrichters aus neun Mannschaften nur insgesamt fünf Turner ohne Setzer durch die Übung, ein katastrophales Ergebnis. Einer der fünf sturzfreien Turner war (etwas überraschend) unser Ilja Töws. Mit einer einfachen aber sicheren Übung sicherte er sich die Höchstwertung für Spich. Kevin Pfeiffer, Roman Welzel und Dima Lavrinenco kamen nicht gut durch ihre Kür. Besonders der eigentlich mit Abstand stärkste Pferdturner Dima hatte hier heute zu kämpfen. Nach dem herabgestuften Abgang und dem Abmelden turnte er wie zum Trotz seine Übung noch einmal frustriert durch und zwar in herausragender Form. Gewertet wurde aber natürlich leider die Erste. Hier musste dann zum Schluss erstmals ein Gerät an die Konkurrenz abgegeben werden, der TV Verlautenheide kam sicherer über das „Zittergerät“ und sicherte sich hier den Sieg.

Insgesamt stehen an diesem schwierigen Wettkampftag zehn Stürze, zwei Verletzungen und ein krankheitsbedingter Ausfall in der Bilanz. Dass damit im Endergebnis trotzdem das Finale noch mit über sieben Punkten Vorsprung vor dem sechstplatzierten aus Verlautenheide gewonnen werden konnte zeigt, dass sich der 1.FC Spich eigentlich noch weiter nach oben orientieren will. Platz Fünf war im Vorfeld der Saison als Minimalziel ausgegeben worden, dieses konnte damit sehr sicher erfüllt werden.
Für die nächste Saison sind die Baustellen klar erkannt und werden stringent in Angriff genommen werden. Für die Saison 2018 steht außerdem die Überlegung an, erstmals eine zweite Mannschaft in der Landesliga starten zu lassen. Hierdurch soll die Möglichkeit geschaffen werden, dem starken Nachwuchs mehr Einsätze im Kürbereich zu verschaffen. Die weitere Entwicklung des Spicher Turnens wird (demnächst wohl in dem neuen Leistungszentrum in Troisdorf) interessant zu beobachten sein. Über noch mehr Aufmerksamkeit, gerade bei unseren Heimwettkämpfen, würden wir uns sehr freuen.

Ergebnisse und Infos: RTB-Rheinlandliga

Ohne Titel

Die Spicher Mannschaft der Saison 2017 (mit Pokal aus dem kleinen Finale).

Es fehlen: Ilja Töws und Trainer Jörg Kubein

 

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